Familienzentrum
 
Der Bau hat begonnen

Pünktlich Anfang Oktober hat die mit den Rohbauarbeiten beauftragte Firma die Baustelle am Kindergarten eingerichtet. Mit einem Zaun wurde das Kindergartengelände abgetrennt. Erste Maßnahmen waren die Entfernung von einem Baum und Sträuchern. Dann konnten die Bagger damit beginnen, den Boden für das Fundament auszuheben. Die Kinder finden es sehr spannend, den Bauleuten bei ihrer Arbeit zuzuschauen.
Wenn alles nach Plan läuft, wird der Bau im Sommer nächsten Jahres fertig sein. Dann entspricht der Kindergarten den Auflagen des Landschaftsverbandes für eine zweigruppige Einrichtung. Das bedeutet, dass mit diesem Kindergartenjahr eine Gruppe ausläuft. In Zukunft werden nur noch zwei U 3 Gruppen betreut werden können. Das Presbyterium bedauert die Verkleinerung außerordentlich. Sie wird zur Folge haben, dass im nächsten Kindergartenjahr so gut wie kein Platz für Neuaufnahmen sein wird.
Sehr erfreulich ist das bisherige Ergebnis der Spendenaktion, zu der das Presbyterium mit einer Beilage im letzten Gemeindegruß aufgerufen hat. 4285 Euro sind eingekommen. Presbyterium und Kindergarten bedanken sich ganz herzlich bei allen Spenderinnen und Spendern.
Große Freude haben große und kleine Leute bei den Gottesdiensten, in denen Kindergartenkinder dabei sind und mitwirken. Ende Oktober sollten sie alle etwas mitbringen, womit sie gerne spielen. Der Pastor fragte einen Jungen, was er mitgebracht hätte. Der Junge antwortete: "Ich habe mich mitgebracht." So gibt es in diesen Gottesdiensten immer wieder etwas zum Lachen und Schmunzeln. Schön ist es auch, dass zahlreiche Eltern undGroßeltern ihre Kinder zu den Gottesdiensten begleiten.

 
Abschid von Hille
Foto: F.B.
Kindergärtnerin mit Leib und Seele

Große Veränderung im Kindergarten: Nach über fünfundzwanzig Jahren als Leiterin scheidet Hille Dietrich Ende August aus dem aktiven Dienst aus. Sie hat die Altersteilzeit beantragt und wird am 1. September den passiven Teil antreten, bevor sie nach drei Jahren in den Ruhestand geht.
Hille Dietrich hat mit ihrer liebevollen, kreativen und überaus engagierten Art dem Kindergarten ein menschen- und vor allem kinderfreundliches Gesicht gegeben. In ihrer Dienstzeit haben einige hundert Kinder die Einrichtung durchlaufen. Sie hat den Förderverein mit aufgebaut, alljährlich mit großem Einsatz gesägt und gebastelt für den Adventsbasar. Die von ihr ins Leben gerufene Sägegruppe ist weiterhin aktiv. Maßgeblich war sie daran beteiligt, die Anerkennung als "Kneipp-Kindergarten" zu erreichen. Sie verstand es, Menschen anzusprechen, die mit eigenem Einsatz mitgeholfen haben, den Kindergarten immer weiter zu verschönern.
Der Name "Kindergarten" ist ihr wichtig. Sie versteht sich mehr als "Gärtnerin", denn als "Erzieherin". Erziehen hat für sie etwas mit "ziehen" zu tun. "Das Kind wie eine Pflanze zu betrachten, dieses Bild hat mich geprägt", sagt sie. Wie eine Gärtnerin die Kinder hegen und pflegen und ihnen behutsam helfen, ihre Kräfte und Fähigkeit zu entwickeln, darin sah sie ihre Aufgabe.
Vor zwei Jahren hat sie zusammen mit ihrem Team große Anstrengungen auf sich genommen, die Zertifizierung als "Familienzentrum" zu bekommen. Mit Note "sehr gut" ist ihr dies gelungen.
Als Kindergärtnerin war sie immer auch Ansprechperson für Eltern. Viel Seelsorge- und Beratungsarbeit hat sie geleistet, durch das Familienzentrum auch weitere professionelle Unterstützung dazu bekommen.
Sie hat Musik in den Kindergarten geholt, eine Sprachförderung für Kinder, die mit der deutschen Sprache Mühe haben. Seit eh und je ist der Kindergarten eine integrative Einrichtung, muslimische Kinder sind dort ebenso willkommen wie evangelische, katholische und nicht getaufte.
In letzter Zeit spürte die Leiterin, dass die Arbeit anstrengender wurde. Viele Eltern haben es selbst nicht genügend gelernt, was das Elternsein heißt. Das spiegelt sich im Verhalten der Kinder wieder, die oft mühsam lernen müssen, sich in eine Gemeinschaft einzufügen. Mit ihren 60 Jahren merkt Hille Dietrich, dass die Kraft nachlässt, den immer neuen Anforderungen gerecht zu werden.
Die Gemeinde ist ihr zu großem Dank verpflichtet. Alle, die Hille kennen, schließen sich der spontanen Kinderäußerung an. Gefragt, wie sie Hille finden, lautet die einhellige Antwort der Kinder: "gut".
Still und bescheiden wie sie ist, wollte sie zum Abschied keinen großen Bahnhof. Deshalb sagt ihr die Gemeinde an dieser Stelle leise "Servus".

 
Hinaus in die Freiheit - Auf zum Reiterhof

Mit 25 Kindern geht es auch in diesem Jahr wieder für drei Tage auf den Reiterbauernhof in Goch-Nierswalde. Kinder zwischen drei und sechs Jahren dürfen mitfahren, wenn sie sich für zwei Nächte von Mama und Papa trennen können. Natürlich müssen sie auch eine gewisse Selbständigkeit mitbringen.
Gott sei Dank gibt es Eltern, die ihre Kinder in den Familienalltag einbeziehen und sie damit gut vorbereiten auf ihre Selbständigkeit. Denn unsere Gesellschaft braucht Kinder, die sich ausprobieren, kreativ mit ihren Ideen umgehen, aber dabei Grenzen akzeptieren und sich in eine Gemeinschaft einfügen können.
Auf dem Reiterhof wird ihnen ermöglicht, Zugang zur Natur und heimischen Tieren zu finden und Ehrfurcht vor der Schöpfung zu entwickeln. Dabei handelt es sich bei unseren Stadtkindern in vielen Fällen um einen Erstkontakt mit Tieren. Wie fühlt sich das Fell eines Hasen an? Wie groß ist das Pferd, wenn ich daneben stehe? Womit füttere ich die Ziegen? Manchmal kommt es hier zur Überwindung von Berührungsängsten. Doch wenn sie überwunden sind, ist der Stolz der Kinder kaum zu beschreiben. Wie glücklich zeigen sie sich nach einer halben Stunde hoch oben auf dem Rücken eines Pferdes. Den Namen und die Gedanken an das Pferd nimmt jeder am späten Abend - frisch geduscht und befreit vom Heu - mit ins Bett.
Dieser geschützte Raum, der Freiheit pur bietet, ermöglicht den Kindern, in Kontakt mit der Natur und damit zu sich selbst zu kommen. Gefüllt mit neuen Erfahrungen, dem Gefühl der Geborgenheit und der Fülle der Glücksgefühle werden unsere Kinder nach Hause zurückkehren und an den Erfahrungen wachsen.
Die tiefe Verbundenheit mit der erlebnisreichen Zeit setzt sich noch lange in den neu entstandenen Freundschaften fort. Für uns als Erzieherinnen bleibt auch ein Glücksgefühl zurück, wenn wir sehen, wie sehr unsere Kinder durch diese kleine Reise in ihrem Selbstbewusstsein gestärkt sind. Wir können in diesen drei Tagen auch einmal abschalten von den vielen belastenden Anforderungen, die das Kinderbildungsgesetz (KIBIZ) an uns stellt.
Hille Dietrich